Prüfer nahmen Flugzeuge unter die Lupe

 

Die Luft hat keine Balken, sagt der Volksmund. Wer sich also zum Beispiel mit einem Segelflugzeug zwischen Himmel und Erde bewegt und wieder sicher zur Mutter Erde zurückkehren möchte, muss wissen, dass sein Luftfahrzeug an allen Ecken und Enden so lufttüchtig und sicher wie nur möglich ist.

Alle zwölf Monate

Jahresnachprüfung heißt die alljährliche Untersuchung, die der Gesetzgeber alle zwölf Monate für Segelflugzeuge vorschreibt. Jetzt waren wieder zwei vom Luftfahrtbundesamt lizenzierte Prüfer beim Flugsportclub Altfeld zu Gast, um die dort stationierten Segelflugzeuge – vier davon befinden sich im Besitz des Flugsportclubs – einer „Hauptuntersuchung“ zu unterziehen.

Die beiden Prüfer Ralph Meyer (62) aus Giebelstadt und Christian Messerschmidt (40) aus Frankfurt kennen das „Innenleben“ der Segelflugzeuge quasi aus dem Effeff. Sie waren beziehungsweise sind in der „großen Luftfahrt“ mit ähnlichen Aufgaben betraut.

Meyer trug bei der Bundeswehr in führender Position für die Flugsicherheit großer Hubschrauber-Einheiten technische Verantwortung, sein Kollege Messerschmitt arbeitet als Fluggerätemechaniker für die deutsch-türkische Airline „SunExpress“ an den technischen Herzen von Boeing- und Airbus-Maschinen.

Mit tüftlerischer Akribie haben die beiden Männern bei den Altfelder Segelflugzeugen alle nur denkbaren Teile so genau unter die Lupe genommen, dass sich die Piloten auch in der nächsten Flugsaison wieder bedenkenlos an den Steuerknüppel setzen können – in der Gewissheit, dass sie in einem technisch einwandfreien Flugzeug sitzen. Ihnen ist es dann bei entsprechender thermischer Unterstützung möglich, dass es für sie auch hinter dem Horizont noch weiter geht.

Halten die Fallschirmgurte?

Meyer und Messerschmidt kontrollierten zum Bespiel auch die Stoff-Festigkeit der Fallschirmgurte, die eine Nutzungsdauer von zwölf Jahren haben. Wenn diese nur um einen einzigen Tag überschritten ist oder wenn brüchige Stellen gefunden werden, müssen neue Gurte her.

Kompromisse kennen die beiden Prüfer nicht, auch die kleinsten Risse, Dellen oder Strukturschäden sind für sie bei den „Aus-Flügen“ in die dritte Dimension nicht akzeptabel.

Himmlisches Geschenk zum 90. Geburtstag

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07.09.2016 Foto: Günter Reinwarth

War an seinem 90. Geburtstag zwischen Himmel und Erde unterwegs: Karl-Heinz Streiter (rechts) mit Pilot Jürgen Denk.

Im gottgesegneten Lebensalter noch einmal der Mutter Erde entschweben und im „weißen Kranich“ über den Vorspessart-Wäldern mit Bussarden kreisen – diesen Wunsch hat sich Karl-Heinz Streiter aus Aschaffenburg erfüllt. Der Flugsportclub Altfeld überraschte das langjährige Vereinsmitglied zum 90. Geburtstag mit diesem wahrhaft himmlischen Geschenk.

Vorsitzender Jürgen Denk, der die Fluglehrer-Lizenz für Segelflugzeuge besitzt, lud Streiter zu einem Rundflug im doppelsitzigen Segler vom Typ ASK 21 ein. Als er dem rüstigen Passagier, der noch im Seniorenalter selbst dem Segelfliegen frönte, bedeutete, dass er auf dem Vordersitz des Seglers Platz nehmen dürfe, habe er bei seinem „Mitflieger“ plötzlich „ein breites Grinsen zwischen beiden Ohrläppchen“ ausmachen können. Dass er nämlich an seinem Neunzigsten noch einmal dem Steuerknüppel ganz nah sein dürfe, das hatte der rüstige Senior nicht zu träumen gewagt. Zum Flugtermin war er mit seinem in Kanada lebenden Sohn Horst und seiner Schwiegertochter gekommen.

Bald nach dem Start fühlte sich Karl-Heinz Streiter im „siebten Fliegerhimmel“ angekommen. Er durfte nämlich selbst den Segler pilotieren. Rasch wurden Erinnerungen an seine eigene Aktiven-Zeit wach. „Kaum hatte er die ersten thermischen Auftriebshilfen unter den Tragflächen verspürt, war es um ihn geschehen“, schildert Jürgen Denk die Cockpit-Erlebnisse seines Fluggastes. Jeder noch so leichte „Lupfer“ wurde von Streiter so lange ausgekurbelt, bis die Sonne den Thermik-Ofen ausgehen ließ, beobachtete Denk weiter. Als sich der „Ausflug“ dem Ende näherte, erkundigte sich Streiter noch nach der Möglichkeit einer fliegerischen Zugabe. Der 90-Jährige wollte von Denk wissen, ob er in seinem Alter „Steilkreisen und Fahrtkurven“ noch vertrage. Das tat er – und zwar ohne Probleme. Sie waren das „i-Tüpfelchen“ seines Geburtstagsgeschenks.