Auf lautlosen Schwingen über der Heimat

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Auf lautlosen Schwingen über der Heimat

Für den 86-jährigen Heinrich Bechmann ging mit einem Segelflug ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung.

 

Wer mit fast 87 Jahren noch im Cockpit eines Segelflugzeuges Platz nehmen kann, muss für sein spätes, „luftiges Abenteuer“ nicht nur eine gewisse Fitness mitbringen, sondern irgendwie auch von der Leidenschaft des Fliegens besessen sein. Für Heinrich Bechmann war es ein Flug voller Emotionen.

Die Idee für den späten „Luftsprung“ des pensionierten Polizeibeamten Bechmann hatte der neue Vorsitzende des Flugsportclubs Altfeld, Jürgen Denk, der selbst seit dem 17. Lebensjahr dem Segelfliegen frönt und längst als alter Hase zwischen lautlosen Schwingen unterwegs ist. Als Denk kürzlich in Würzburg beim Zahnarzt war, erwähnte dieser, dass sein Vater im Jugendalter eine Segelflugausbildung begonnen habe.

Der Altfelder Vereinsboss wurde hellhörig, als ihm zu Ohren kam, dass der alte Herr vor über 70 Jahren als 14-Jähriger mit dem Fliegen begonnen hatte und dies später trotz schlummernder Leidenschaft frühzeitig abbrechen musste. Die Gründe dafür, dass der Vater dann auf sein Hobby verzichtet hatte, konnte Denk irgendwie nachvollziehen. Die Nachkriegszeit brachte andere Interessen mit sich, familiäre und berufliche Perspektiven waren Heinrich Bechmann wichtiger als das Spiel mit dem Steuerknüppel. Aber: Das flugsportliche Interesse und der Enthusiasmus waren im Herzen des Seniors in den kommenden Jahrzehnten erhalten geblieben.

„Da laden wir doch den alten Herrn mal in das Cockpit eines Segelflugzeugs ein“, dachte der 57-jährige Chef des Flugsportclubs Altfeld, der als Hauptkommissar bei der Bereitschaftspolizei in Würzburg Dienst tut. Er wusste, dass er dem alten Herrn keine größere Freude als mit einem Rundflug machen konnte.

Dem Senior ging buchstäblich das Herz auf, als er sich dann im doppelsitzigen Segelflieger vom Typ ASK 21 von Helfern auf dem Flugplatz die Gurte umlegen und sich mit Jürgen Denk von einem Schleppflugzeug himmelwärts ziehen ließ. Die Erinnerung an seine eigene Ausbildung mit dem legendären Schulgleiter SG 38 wurde wach.

Gute thermische Bedingungen

90 Minuten lang war Denk mit seinem Passagier bei sehr guten thermischen Bedingungen am weiß-blauen fränkischen Himmel unterwegs. Der Flug führte, nachdem sich der Pilot über Marktheidenfeld in 500 Metern Höhe von der Nabelschnur seines Schleppers gelöst und in den folgenden Minuten auf 1600 Meter Flughöhe hochgeschraubt hatte, in Richtung Würzburg. Über der Unterfranken-Metropole konnte Heinrich Bechmann sein Wohnhaus aus der Vogelperspektive betrachten, bevor es zurück in den Vorspessart ging. Unterwegs begegnete man immer wieder anderen Segelflugzeugen, der Himmel war an diesem Tag dank exzellenter Wolkenthermik relativ „gut besetzt“.

Passagier Beckmann war hellauf begeistert, als er nach seinem unverhofften Flugerlebnis wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Der denkwürdige Tag wurde schließlich bei einem gemütlichen Small-Talk vor dem Altfelder Fliegerstübchen fortgesetzt, als es zwischen dem knapp 87-jährigen Heinrich Bechmann und Altfelds jüngstem Flugschüler, dem 14-jährigen Lorenz Reichert, zu einem netten Gedankenaustausch kam. Das Thema kann man sich gut vorstellen: das Segelfliegen einst und jetzt.

 

 

Von unserem Mitarbeiter Günter Reinwarth

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