Mit 14 Jahren im Cockpit eines Segelflugzeugs

    Fühlt sich im Cockpit pudelwohl: die 14-jährige Marie Ostrowski aus Altfeld. Foto: Günter Reinwarth

    Flugwetter. Über dem Wiesengeviert am Rande des Eichholz-Waldes duftet es nach frisch gemähtem Gras. Am Himmel über dem Vorspessart „stehen“ dicke Cumuluswolken – Wolken, die Segelflugzeuge mit thermischen Aufwinden himmelwärts ziehen.  Im Funkgerät am Flugleitertisch ist es relativ ruhig an diesem Schönwetter-Tag. Bislang gab es nur wenige Starts und Landungen zu  beaufsichtigen.

    „Bei Esselbach liegt ein Segelflugzeug auf dem Acker!“, meldet sich plötzlich eine Piloten-Stimme aus dem Äther. Fluglehrer Jürgen Denk wird hellhörig. „Das wird doch nicht unsere Marie sein?“ Er hat die 14-jährige Flugschülerin vor gut zwanzig Minuten in den Himmel geschickt. Ihr Auftrag: Sie soll in Flugplatznähe nach thermischen Aufwinden zu suchen. „Delta drei-fünf von Altfeld, bitte kommen!“, ruft Denk die junge Pilotin über Funk und erkundigt sich nach der aktuellen Position. Als ihm Marie mitteilt, dass sie achthundert Meter über Esselbach kreist, ist der Fluglehrer erleichtert. Die Außenlandung hat nichts mit der Altfelder Flugschülerin zu tun.
    Viele Wochenenden auf dem Flugplatz

    Minuten später sieht das kleine Pilotenteam am Flugleiter-Tisch im Westen des Flugplatzes einen Segler unter einer dicken Wolke im Aufwind kreisen. „Da ist ja Marie!“, freut sich Jürgen Denk über die Entdeckung. Im Stillen weiß er freilich, dass sein fliegender Schützling im Segler-Cockpit einen guten Job macht. Marie Ostrowski wurde quasi Fliegerblut in die Wiege gelegt. Sie durfte von kleinauf mit Vater Horst und Mutter Katja an vielen, vielen Sommer-Wochenenden die Welt des Segelflugs hautnah miterleben.


    Frauen im Pilotensitz sind hierzulande längst eine Normalität geworden. Es ist durchaus möglich, dass in einem Riesen-Airbus A 380 eine komplette weibliche Cockpit-Crew mit einer „Flugkapitänin“ am Sidestick sitzt. Bei der Bundeswehr fliegen zwei Frauen als Kampfpilotinnen den Eurofighter. Die Zeiten als die US-Amerikanerin Amelia Earhart als erste Frau im Alleinflug den Atlantik überquerte oder Elly Beinhorn 1932 den Erdball im kleinen Flieger umrundete und damit Exotinnen waren sind längst vorbei.
    Vater Horst ist selbst Fluglehrer und Ausbildungsleiter

    Segelflug ist auch bei Frauen beliebt. Doch dass eine erst 14-jährige Schülerin wie Marie Ostrowski ins Cockpit steigt, ist eine Seltenheit. Doch es wundert nicht, wenn man ihre Familie kennt: Vater Horst und Mutter Katja haben schon vor 21 Jahren beim Aeroclub Tauberbischofsheim gemeinsam die (Flug-) Schulbank gedrückt. Heute ist Horst Ostrowski als Fluglehrer und Ausbildungsleiter eine der Stützen beim Flugsportclub Altfeld und nebenbei stolzer Besitzer eines Motorseglers, dessen Tragflächen die stolze Spannweite von 28 Metern haben.  Rund 2000 Stunden hat der selbständige Unternehmensberater mittlerweile zwischen Himmel und Erde zugebracht.

    Katja Hofmann ist ebenfalls in der ersten Reihe des 1972 gegründeten Flugsportclubs Altfeld zu finden, als Kassierer kümmert sich die gelernte Informatikerin um die Vereinsfinanzen. Die Ausbildung von Tochter Marie befindet sich bei Horst Ostrowski und dem Altfelder Fluglehrer-Kollegen Nils Eilbacher in guten Händen.


    Als Elfjährige im Doppelsitzer mitgesteuert

    Als Marie Ostrowski begann, sich ernsthaft für Segelflug zu interessieren, war sie elf Jahre alt. Vater Horst erinnert sich noch heute an diesen Sommertag, als er ein doppelsitziges Segelflugzeug vom Typ ASK 21 von Tauberbischofsheim nach Altfeld überführte – mit der Tochter im Cockpit. „Nach dem Windenstart hatten wir einen guten Bart (Aufwind), der uns auf eine gute Höhe brachte, ab da hat Marie das Flugzeug ganz allein nach Altfeld geflogen.“ Das habe mächtig Spass gemacht, erinnert sich Marie an das Erlebnis, das in ihr den Wunsch weckte, selbst Segelflugzeugführer zu werden.

    Das Gesetz erlaubt den Ausbildungsbeginn jedoch erst ab dem 14. Lebensjahr. Den Flugschein selbst dürfen Schüler erst erhalten, wenn sie 16 Jahre alt geworden sind. Die Pilotenlizenz erfordert für die theoretische Prüfung ein gehöriges Maß an Wissen rund um den Flugsport. Dazu gehören unter anderem Kenntnisse in den Fächern Technik, Meteorologie, Navigation, Verhalten in besonderen Fällen und Luftrecht. Ferner muss bis zum Ende der Ausbildung ein Sprechfunkzeugnis erworben werden. Das Plazet der Eltern und die fliegerärztliche Tauglichkeit gehören zu den weiteren Notwendigkeiten.

    Der erste Alleinflug ist für jeden Flugschüler ein besonderes Erlebnis. Mit diesem geht ein alter Fliegerbrauch einher, von dem auch weibliche Pilotenanwärter nicht „verschont“ bleiben. Die Rede ist von ein paar „Klopsen“ auf den „Allerwertesten“. Dass bei Marie die Geschichte nach 58 Starts und Landungen weniger heftig über die Bühne ging, lässt sich denken. Glückwünsche mit Blumen aus der Natur ergänzten dieses „Erlebnis“.
    Einziges Mädchen in der Flugschüler-Gruppe

    Dass die Flugschülerin, die das Deutschhaus-Gymnasium in Würzburg besucht und als Lieblingsfächer Mathematik, Informatik und Physik angibt, neben dem Theorieunterricht vom  Wissen des Vaters profitieren kann, liegt auf der Hand. Damit, dass sie in Altfeld oft „alleine unter Männern“ ist, hat Marie kein Problem. Sie versteht sich prächtig mit der zehnköpfigen Flugschüler-Gruppe, zu der auch einige Jugendliche zählen.

    Seine Liebe zum Segelflug hat Vater Horst, als er zu den Führungskräften der Kurtz-Ersa-Gruppe gehörte, einmal im Firmenmagazin deutlich gemacht. Im Originalton Ostrowski ist dort zu lesen: “Lautlos durch die Luft zu gleiten und nur mit Hilfe der Thermik stundenlang zu fliegen, das macht das Segelfliegen für mich zum schönsten Hobby der Welt.“.

Neun Stunden-Flug

Neun-Stunden-Flug über insgesamt 806 Kilometer

Jürgen Denk gelang mit Segelflugzeug von Altfeld aus ein persönlicher Streckenrekord

Aufwind für Altfelder Segelflieger: Jürgen Denk gelang ein persönlicher Streckenrekord.

Er sah den Schwarzwald, die Schwäbische Alb und die Wasserkuppe von oben.

Sah den Schwarzwald, die Alb und die Wasserkuppe an einem Tag aus der Vogelperspektive.

Segelflieger Jürgen Denk. Foto: Günter Reinwarth

Aufwind für die Altfelder Segelflieger: Jürgen Denk gelang ein persönlicher Streckenrekord mit einem 806-Kilometer-Dreieck. Der 61-Jährige sah den Schwarzwald, die Schwäbische Alb und dieWasserkuppe aus der Vogelperspektive.

Vereinsvorsitzender Denk, ein alter „Cockpit-Hase“ unter den motorlosen Luftkutschern – als 17-Jähriger stieg er im unterfränkischen Ebern erstmals hinter den Steuerknüppel – war mit dem neuesten Vereinsflugzeug unterwegs.

Hier sein Flugbericht: „Nachdem ich mit der Schleppmaschine in Altfeld 800 Meter über Grund erreicht hatte, erwischte ich sofort nutzbare Aufwinde, die mich mit einer Steigrate von zwei bis drei Sekunden-Metern bis auf 1400 Meter trugen. Die vor mir liegende Wolkenoptik versprach eine aussichtsvolle Wetterlage.

So konnte ich den weißen Vogel mit einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometer sorgenlos in Richtung Kraichgau schweben lassen. Als ich den Neckar passiert hatte, bekam mein  Optimismus erst mal einen Dämpfer. Um Sinsheim herum war die Wolkenuntergrenze beängstigend tief abgesunken – und zwar so tief, dass ich mit gedrosselter Geschwindigkeit bei nur geringem Steigen vorsichtig weiter fliegen konnte.

Sollte ich meine 120 Liter Wasser, die ich zum schnelleren Fliegen in die Tragflächen mitgenommen hatte, jetzt schon ablassen? Erst mal nein lautete mein Entschluss, obwohl ich den Kraichgau wieder einmal als, Kriechgau‘ erlebt hatte. Die Steigwerte besserten sich zum Glück: Pforzheim, Freudenstadt, Triberg im Hochschwarzwald waren die nächsten Navigationspunkte bis zum Feldberg, der sich um 13.30 Uhr unter meine Tragflächen schob.

Etwa 300 Meter über dieser Erhebung drehte ich die Nase meiner „fliegenden Orchidee“, eine Maschine vom Typ ASW 28 mit 18 Metern Spannweite, in Richtung Nord-Ost um –soweit es halt möglich war. Ich erreichte die weiter im Osten gelegene Schwäbische Alb und konnte auf meinem weiteren Kurs die Sprungschanzen von Hinterzarten, Titisee-Neustadt sowie die Städte Donaueschingen und Tübingen unter meinen Tragflächen sehen.

An der Albkante bei Farrenberg ging es eine Zeitlang weder rauf noch runter. Zum Glück stach bald wieder die Sonne durch die dichter gewordene Wolkendecke, ich konnte mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern Donauwörth erreichen und von hier aus auf Heimatkurs bis in die Vorrhön schweben.

Nachdem die Wolken über der Wasserkuppe nicht besonders brauchbar aussahen, steuerte ich kurzerhand die Ausläufer des Vogelsberges an. Weil mir der Luftraum um Frankfurt meine Flughöhe einschränkte, wendete ich kurzerhand hinter Bad Orb – mit neuem Kurs Richtung Altfeld, wohl wissend, dass mir der Spessart keine Möglichkeit zu einer Außenlandung bot. Nach einer Flugzeit von neun Stunden und zehn Minuten berührte der weiße Vogel sanft die Asphaltbahn im Vorspessart. Ich durfte in mein Flugbuch ein 806-Kilometer-Dreieck eintragen.“

 

16-Jähriger ging in die Luft

Nicolas Hecker, 16-jähriger Gymnasiast aus Bischbrunn, darf sich jetzt ohne seinen Fluglehrer in einen Segelflieger setzen und die „grenzenlose Freiheit“ zwischen Himmel und Erde genießen. Er absolvierte mit einem Sachverständigen des Luftamtes Nordbayern in Nürnberg erfolgreich die praktische Segelflugprüfung.

Nicolas Hecker aus Bischbrunn mit seinen beiden Fluglehrern Jürgen Denk (rechts) und Horst Ostrowski. Foto: Günter Reinwarth

Nicolas Hecker, 16-jähriger Gymnasiast aus Bischbrunn, darf sich jetzt ohne seinen Fluglehrer in einen Segelflieger setzen und die „grenzenlose Freiheit“ zwischen Himmel und Erde genießen. Er absolvierte mit einem Sachverständigen des Luftamtes Nordbayern in Nürnberg erfolgreich die praktische Segelflugprüfung.

Alles klappte wie am Schnürchen. Startvorgang, Thermik-Einstieg und die Nutzung verschiedener Landehilfen wurden erfolgreich in die Praxis umgesetzt, auch an einigen Theoriefragen hatte der Prüfer nichts auszusetzen.

Hecker hatte seine Segelflugausbildung unter den Fittichen der beiden Fluglehrer Jürgen Denk und Horst Ostrowski absolviert. Beruflich möchte sich Hecker ebenfalls der Luftfahrt widmen und sich zum Berufspiloten ausbilden lassen.

Einwöchiges Fluglager

Auf dem Flugplatz Altfeld findet vom 3. bis 11. Juni das traditionelle Fluglager statt. Dazu werden unter anderem Gastpiloten aus Worms, Oppenheim und Hamburg erwartet.

Wenn das Flugwetter passt, werden während der beiden Flugwochen täglich bis zu 14 vereinseigene und private Maschinen am Start sein.

Wer Interesse am Segelflug hat, ist in Altfeld willkommen und darf sich auf einen kostenlosen Schnupperflug freuen.

 

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Himmlisches Geschenk zum 90. Geburtstag

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07.09.2016 Foto: Günter Reinwarth

War an seinem 90. Geburtstag zwischen Himmel und Erde unterwegs: Karl-Heinz Streiter (rechts) mit Pilot Jürgen Denk.

Im gottgesegneten Lebensalter noch einmal der Mutter Erde entschweben und im „weißen Kranich“ über den Vorspessart-Wäldern mit Bussarden kreisen – diesen Wunsch hat sich Karl-Heinz Streiter aus Aschaffenburg erfüllt. Der Flugsportclub Altfeld überraschte das langjährige Vereinsmitglied zum 90. Geburtstag mit diesem wahrhaft himmlischen Geschenk.

Vorsitzender Jürgen Denk, der die Fluglehrer-Lizenz für Segelflugzeuge besitzt, lud Streiter zu einem Rundflug im doppelsitzigen Segler vom Typ ASK 21 ein. Als er dem rüstigen Passagier, der noch im Seniorenalter selbst dem Segelfliegen frönte, bedeutete, dass er auf dem Vordersitz des Seglers Platz nehmen dürfe, habe er bei seinem „Mitflieger“ plötzlich „ein breites Grinsen zwischen beiden Ohrläppchen“ ausmachen können. Dass er nämlich an seinem Neunzigsten noch einmal dem Steuerknüppel ganz nah sein dürfe, das hatte der rüstige Senior nicht zu träumen gewagt. Zum Flugtermin war er mit seinem in Kanada lebenden Sohn Horst und seiner Schwiegertochter gekommen.

Bald nach dem Start fühlte sich Karl-Heinz Streiter im „siebten Fliegerhimmel“ angekommen. Er durfte nämlich selbst den Segler pilotieren. Rasch wurden Erinnerungen an seine eigene Aktiven-Zeit wach. „Kaum hatte er die ersten thermischen Auftriebshilfen unter den Tragflächen verspürt, war es um ihn geschehen“, schildert Jürgen Denk die Cockpit-Erlebnisse seines Fluggastes. Jeder noch so leichte „Lupfer“ wurde von Streiter so lange ausgekurbelt, bis die Sonne den Thermik-Ofen ausgehen ließ, beobachtete Denk weiter. Als sich der „Ausflug“ dem Ende näherte, erkundigte sich Streiter noch nach der Möglichkeit einer fliegerischen Zugabe. Der 90-Jährige wollte von Denk wissen, ob er in seinem Alter „Steilkreisen und Fahrtkurven“ noch vertrage. Das tat er – und zwar ohne Probleme. Sie waren das „i-Tüpfelchen“ seines Geburtstagsgeschenks.

Die Freiheit, da oben alleine zu sein

ALTFELD
Die Freiheit, da oben alleine zu sein

Nicolas Hecker aus Bischbrunn hat die ersten drei Solo-Flüge bravourös gemeistert

Foto: Günter Reinwarth

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Nach seinem ersten Alleinflug durfte Nicolas Hecker einen Wiesen-Blumenstrauß und die Glückwünsche seiner beiden Fluglehrer Horst Ostrowski (links) und Jürgen Denk entgegen nehmen.

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Immer wenn Nicolas Hecker ein Flugzeug am Himmel seine Bahnen ziehen sieht, überkommt ihn die Sehnsucht nach der Dritten Dimension. Der Traum vom Fliegen begleitet den fünfzehnjährigen Gymnasiasten aus Bischbrunn an vielen Tagen. Das Ziel kommt näher: Er hat mir Bravour seine drei ersten Alleinflüge hinter sich gebracht und die begehrte A-Prüfung geschafft.

Der Schüler bereitet sich seit September letzten Jahres auf seinen „Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer“ unter den Fittichen der beiden Fluglehrer Horst Ostrowski und Jürgen Denk vor. Nicolas reizt die „Freiheit, da oben alleine zu sein“. Und er gesteht, dass ihn der Song von Reinhard Mey, der selbst Pilot ist, von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken ebenfalls ein wenig dazu animiert hat, es den „modernen Erben Lilienthals“ gleich zu tun.

Natürlich weiß der junge Mann, dass das lautlose Schweben im Segelflugzeug nicht über, sondern unter den Wolken stattfindet und sich hier die Aufwinde und „Thermikblasen“ am ehesten wiederfinden. Was hat Nicolas Hecker letztlich dazu bewogen, das Hobby Segelfliegen zu ergreifen? Es waren „die fliegerischen Computer-Luftsprünge“ seines Vaters Mario, Schulausflüge auf den Flugplatz Altfeld und die Teilnahme an dem Ferienprogramm der Stadt Marktheidenfeld. Aber so richtig klick gemacht hatte es erst nach einem Schnupperflug im Segelflugzeug. Theorieunterricht und Praxis mit den beiden Lehrern Jürgen Denk und Horst Ostrowski wechseln sich seitdem ab.

Tage vor dem ersten „Solo“ ließen, nachdem immer wieder „flugpraktische Dinge“ gepaukt wurden, bei Nicolas Hecker die Vermutung aufkommen, dass der Freiflug nicht mehr allzu weit entfernt ist. „Der kann es jetzt auch alleine!“, waren sich Denk und Ostrowski einig, als sie ihn an die „Nabelschnur“ des Schleppflugzeugs hängen ließen. In der Motormaschine saß Lothar Schäfer, ein alter Hase unter den Altfelder Piloten, der den „Solisten“ auf eine Höhe von dreihundert Meter zog, bevor es für den jungen Bischbrunner („Ein bisschen aufgeregt war ja ich schon!“) richtig ernst wurde.

Butterweiche Landung

Nur nichts falsch machen, ging es ihm durch den Kopf – schließlich fehlte auf dem „Rücksitz“ der „Rettungsanker Fluglehrer“. Und Nicolas machte nichts falsch, der butterweichen Landung auf der Altfelder Betonpiste folgten zwei weitere Alleinflüge für den begehrten A-Schein, der ersten Lizenz auf dem Weg zum begehrten Pilotenschein.

Als Hecker sich schließlich von den Gurten befreite und dem Cockpit des doppelsitzigen Kunststoff-Seglers entstiegen war, gratulierte man ihm mit einem Strauß bunter Wiesenblumen – eingeflochten auch eine Dorne, die die nicht immer leichte Suche nach thermischen Aufwinden symbolisieren sollte. Der alte Fliegerbrauch, der dann folgte, war für den gerade „flügge gewordenen“ Flugeleven möglicherweise nicht weniger „dornen-betont“: Die Klapse seiner Fliegerkameraden auf den Allerwertesten.

Bis zur Pilotenprüfung durch das Luftamt Nordbayern heißt es nun Flugpraxis für die Sicherheit im Cockpit zu sammeln und sich theoretisches Wissen über die Gebiete Luftrecht, Aerodynamik, Technik, Meteorologie, Navigation, Verhalten in besonderen Fällen und menschliches Leistungsvermögen anzueignen.

Flugzeugcockpit als großes Ziel

Dies alles passiert für ihn im Umfeld eines „faszinierenden Flugplatzes“ (Hecker), auf dem er „total nette Leute“ um sich hat. Ist der erste Alleinflug das prägende Erlebnis für den Segelflug-Schüler Nicolas Hecker – der Weg in ein Airbus- oder Boeing-Cockpit wird vergleichbar noch ein bisschen dornenreicher sein. Bevor er nach dem Abitur die „Straße der Piloten“ betreten darf, hießt es lernen, fliegen und nochmals lernen.

 

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Fluglager beim Flugsportclub Altfeld

  • Fluglager beim Flugsportclub Altfeld
    Foto: Günter Reinwarth

    (arth) „Fliegen wie Gott in Frankreich“ konnten sie zwar nicht, aber schweben wie ein Vogel in luftiger Nachbarschaft mit kreisenden Bussarden – das war rund zwanzig Segelflieger, unter ihnen Gäste aus Hamburg und dem Rhein-Main-Gebiet, beim traditionellen Fluglager des Flugsportclubs Altfeld nach Herzenslust vergönnt. Lange Streckenflüge ließ das Wetter nicht zu, aber die beiden Fluglehrer Jürgen Denk und Horst Ostrowski hatten keine Mühe, einiger der neun Flugschüler das Abc der Aerodynamik näher zu bringen. Der Luftsportverband Bayern hatte dem Club eines der modernsten doppelsitzigen Schulflugzeuge zur Verfügung gestellt. Am Abend trafen sich die Piloten am Lagerfeuer, das von Günter Rincker (Tauberbischofsheim) entfacht worden war, zum Fachsimpeln.

„Fliegen wie Gott in Frankreich“ konnten sie zwar nicht, aber schweben wie ein Vogel in luftiger Nachbarschaft mit kreisenden Bussarden – das war rund zwanzig Segelflieger, unter ihnen Gäste aus Hamburg und dem Rhein-Main-Gebiet, beim traditionellen Fluglager des Flugsportclubs Altfeld nach Herzenslust vergönnt. Lange Streckenflüge ließ das Wetter nicht zu, aber die beiden Fluglehrer Jürgen Denk und Horst Ostrowski hatten keine Mühe, einiger der neun Flugschüler das Abc der Aerodynamik näher zu bringen. Der Luftsportverband Bayern hatte dem Club eines der modernsten doppelsitzigen Schulflugzeuge zur Verfügung gestellt. Am Abend trafen sich die Piloten am Lagerfeuer, das von Günter Rincker (Tauberbischofsheim) entfacht worden war, zum Fachsimpeln.

Ein perfekter Tag für Segelflieger

Piloten-Quartett legte vom Altfelder Flugplatz aus insgesamt 2700 Kilometer zurück

 
Foto: Günther Reinwarth
Per Flugzeugschlepp wurden die Segler in Altfeld auf die Reise geschickt.
 „Soweit die Flügel tragen“ könnte man in Abwandlung eines bekannten Film- und Buchtitels sagen, wenn Segelflieger auf die Reise gehen. Als Ergänzung ließe sich hinzufügen: Wenn der Aufwind kräftig unter die Flächen bläst und so lange auch der Wettergott den Piloten gut gesinnt ist, kommt das motorlose Schweben einem Pilotentraum ziemlich nahe. Pilotenträume gingen am Samstag für vier Altfelder Segelflieger in Erfüllung, als ihnen das Wetter ein Vergnügen bot, wie dies nicht alle Tage möglich ist.

Wieder festen Boden unter den Füßen, konnten die „modernen Erben Lilienthals“ nach ihrem etwas anderen „Aus-Flug“ ihr Pilotenglück kaum fassen. Sie hatten gemeinsam stattliche 2700 Kilometer zwischen Himmel und Erde zurückgelegt. „Wir erwischten den besten Flugtag in diesen Frühlingswochen“, bilanzierten die Piloten Jürgen Denk (608 km), Günter Rincker (610), Hermann Gold (720) und Michael Bauer (513), als sie ihren vereinsinternen Flugrekord geschafft hatten.

In Erwartung der prognostizieren Wetterbedingungen übernachteten einige der Piloten vom Freitag auf Samstag schon auf dem Flugplatz, um in den frostigen Morgenstunden ihre Flugzeuge mit Wasserballast zu „beschweren“, warme Kleidung und Verpflegung im Cockpit zu verstauen sowie die Datenaufzeichnungsgeräte zu programmieren.

Für den Laien sei erwähnt, dass Segelflieger nach Ablassen der bis zu 300 Liter umfassenden „Wasserfracht“ schwache Aufwinde besser nutzen und damit einen besseren Gleitwinkel erreichen können, der sie weiter als normal schweben lässt. Der aktuelle Wetterbericht bestärkte dann im gemeinsamen Vorhaben, das da lautete: im Verbandsflug den höchsten Berg des Thüringer Waldes (Inselberg) und den Flugplatz Weiden in der Oberpfalz zu umrunden und die Rückkehr nach Altfeld zu schaffen.

Zunächst lief das Unternehmen „Zwischen Himmel und Erde sind wir gemeinsam stark“ nicht ganz nach Wunsch. Der Grund: Starker Nordostwind machte das Fortkommen in Richtung Thüringen anfangs schwerer als gedacht. Aber: Thermische Aufwinde mit Steigwerten bis fünf Sekundenmetern bliesen den Piloten so kräftig unter die Flächen, dass respektable Höhengewinne erzielt werden konnten. Langsam ging es dann an Hammelburg vorbei, die Wasserkuppe, der Segelflieger-Berg der Deutschen, blieb links liegen, der Thüringer Wald kam in der glasklaren Luft bald in weiter Ferne in Sicht. Die gefürchtete Leewirkung des Thüringer Waldes bereitete weniger Schwierigkeiten als erwartet.

Das Tiefdruckgebiet im Nordosten Europas verlangte den Piloten aufgrund der etwas schwächeren Thermik für den Weiterflug über den Gipfeln des Thüringer Waldes viel Können am Steuerknüppel ab. Im Raum Suhl und später auch über der Region Kronach sorgten wieder Steigwerte nach Maß, die später noch durch eine ordentliche Rückenwind-Komponente ergänzt wurden, für einen problemlosen Rückflug in das zweihundert Kilometer entfernte Altfeld. Der Fahrtmesser zeigte dank dieser Entwicklung Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern über Grund an.

Das Streckenwetter verhieß schließlich so gute Bedingungen, dass eine Dreier-Mannschaft weiter bis Heidelberg schweben wollte. Der Plan musste schließlich, weil das Wetter abbaute, über dem Neckar für eine sichere Rückkehr nach Altfeld aufgegeben werden.

Während die vier Piloten in Richtung Thüringen unterwegs waren, konnten auch „zu Hause“ herrliche Thermikflüge absolviert werden. Fluglehrer Horst Ostrowski „spulte“ mit seinem Schüler Nicolas Hecker stattliche 14o Kilometer ab; Jürgen Väth legte, allein unterwegs, im Cockpit die gleiche Strecke zurück.

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