Ein perfekter Tag für Segelflieger

Piloten-Quartett legte vom Altfelder Flugplatz aus insgesamt 2700 Kilometer zurück

 
Foto: Günther Reinwarth
Per Flugzeugschlepp wurden die Segler in Altfeld auf die Reise geschickt.
 „Soweit die Flügel tragen“ könnte man in Abwandlung eines bekannten Film- und Buchtitels sagen, wenn Segelflieger auf die Reise gehen. Als Ergänzung ließe sich hinzufügen: Wenn der Aufwind kräftig unter die Flächen bläst und so lange auch der Wettergott den Piloten gut gesinnt ist, kommt das motorlose Schweben einem Pilotentraum ziemlich nahe. Pilotenträume gingen am Samstag für vier Altfelder Segelflieger in Erfüllung, als ihnen das Wetter ein Vergnügen bot, wie dies nicht alle Tage möglich ist.

Wieder festen Boden unter den Füßen, konnten die „modernen Erben Lilienthals“ nach ihrem etwas anderen „Aus-Flug“ ihr Pilotenglück kaum fassen. Sie hatten gemeinsam stattliche 2700 Kilometer zwischen Himmel und Erde zurückgelegt. „Wir erwischten den besten Flugtag in diesen Frühlingswochen“, bilanzierten die Piloten Jürgen Denk (608 km), Günter Rincker (610), Hermann Gold (720) und Michael Bauer (513), als sie ihren vereinsinternen Flugrekord geschafft hatten.

In Erwartung der prognostizieren Wetterbedingungen übernachteten einige der Piloten vom Freitag auf Samstag schon auf dem Flugplatz, um in den frostigen Morgenstunden ihre Flugzeuge mit Wasserballast zu „beschweren“, warme Kleidung und Verpflegung im Cockpit zu verstauen sowie die Datenaufzeichnungsgeräte zu programmieren.

Für den Laien sei erwähnt, dass Segelflieger nach Ablassen der bis zu 300 Liter umfassenden „Wasserfracht“ schwache Aufwinde besser nutzen und damit einen besseren Gleitwinkel erreichen können, der sie weiter als normal schweben lässt. Der aktuelle Wetterbericht bestärkte dann im gemeinsamen Vorhaben, das da lautete: im Verbandsflug den höchsten Berg des Thüringer Waldes (Inselberg) und den Flugplatz Weiden in der Oberpfalz zu umrunden und die Rückkehr nach Altfeld zu schaffen.

Zunächst lief das Unternehmen „Zwischen Himmel und Erde sind wir gemeinsam stark“ nicht ganz nach Wunsch. Der Grund: Starker Nordostwind machte das Fortkommen in Richtung Thüringen anfangs schwerer als gedacht. Aber: Thermische Aufwinde mit Steigwerten bis fünf Sekundenmetern bliesen den Piloten so kräftig unter die Flächen, dass respektable Höhengewinne erzielt werden konnten. Langsam ging es dann an Hammelburg vorbei, die Wasserkuppe, der Segelflieger-Berg der Deutschen, blieb links liegen, der Thüringer Wald kam in der glasklaren Luft bald in weiter Ferne in Sicht. Die gefürchtete Leewirkung des Thüringer Waldes bereitete weniger Schwierigkeiten als erwartet.

Das Tiefdruckgebiet im Nordosten Europas verlangte den Piloten aufgrund der etwas schwächeren Thermik für den Weiterflug über den Gipfeln des Thüringer Waldes viel Können am Steuerknüppel ab. Im Raum Suhl und später auch über der Region Kronach sorgten wieder Steigwerte nach Maß, die später noch durch eine ordentliche Rückenwind-Komponente ergänzt wurden, für einen problemlosen Rückflug in das zweihundert Kilometer entfernte Altfeld. Der Fahrtmesser zeigte dank dieser Entwicklung Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern über Grund an.

Das Streckenwetter verhieß schließlich so gute Bedingungen, dass eine Dreier-Mannschaft weiter bis Heidelberg schweben wollte. Der Plan musste schließlich, weil das Wetter abbaute, über dem Neckar für eine sichere Rückkehr nach Altfeld aufgegeben werden.

Während die vier Piloten in Richtung Thüringen unterwegs waren, konnten auch „zu Hause“ herrliche Thermikflüge absolviert werden. Fluglehrer Horst Ostrowski „spulte“ mit seinem Schüler Nicolas Hecker stattliche 14o Kilometer ab; Jürgen Väth legte, allein unterwegs, im Cockpit die gleiche Strecke zurück.

arth