Ausflug in die Wiege des Segeflugs

Ausflug in die Wiege des Segeflugs
Winterliche Entzugserscheinungen für die Piloten des Flugsportclubs Altfeld? Mitnichten! Vorsitzender Jürgen Denk wollte seinen Aktiven etwas Gutes tun, als er mit ihnen trotz schwieriger Straßenverhältnisse in die Rhön, die Wiege des Segelfliegens fuhr. Zunächst wurde die Firma Alexander Schleicher in Poppenhausen besucht, eine der bekanntesten Hersteller von Segelflugzeugen. Manfred Münch, Mitarbeiter im Konstruktionsbüro, führte die 18 Piloten und Pilotinnen durchs Werk. Bei Schleicher werden von 140 Mitarbeitern pro Jahr zwischen 70 und 85 „weiße Kraniche“ zum großen Teil in Handarbeit produziert. Mit einem Besuch des Segelflugmuseums auf der Wasserkuppe fand der Rhön-Ausflug seine Fortsetzung.

 

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Ein perfekter Tag für Segelflieger

Piloten-Quartett legte vom Altfelder Flugplatz aus insgesamt 2700 Kilometer zurück

 
Foto: Günther Reinwarth
Per Flugzeugschlepp wurden die Segler in Altfeld auf die Reise geschickt.
 „Soweit die Flügel tragen“ könnte man in Abwandlung eines bekannten Film- und Buchtitels sagen, wenn Segelflieger auf die Reise gehen. Als Ergänzung ließe sich hinzufügen: Wenn der Aufwind kräftig unter die Flächen bläst und so lange auch der Wettergott den Piloten gut gesinnt ist, kommt das motorlose Schweben einem Pilotentraum ziemlich nahe. Pilotenträume gingen am Samstag für vier Altfelder Segelflieger in Erfüllung, als ihnen das Wetter ein Vergnügen bot, wie dies nicht alle Tage möglich ist.

Wieder festen Boden unter den Füßen, konnten die „modernen Erben Lilienthals“ nach ihrem etwas anderen „Aus-Flug“ ihr Pilotenglück kaum fassen. Sie hatten gemeinsam stattliche 2700 Kilometer zwischen Himmel und Erde zurückgelegt. „Wir erwischten den besten Flugtag in diesen Frühlingswochen“, bilanzierten die Piloten Jürgen Denk (608 km), Günter Rincker (610), Hermann Gold (720) und Michael Bauer (513), als sie ihren vereinsinternen Flugrekord geschafft hatten.

In Erwartung der prognostizieren Wetterbedingungen übernachteten einige der Piloten vom Freitag auf Samstag schon auf dem Flugplatz, um in den frostigen Morgenstunden ihre Flugzeuge mit Wasserballast zu „beschweren“, warme Kleidung und Verpflegung im Cockpit zu verstauen sowie die Datenaufzeichnungsgeräte zu programmieren.

Für den Laien sei erwähnt, dass Segelflieger nach Ablassen der bis zu 300 Liter umfassenden „Wasserfracht“ schwache Aufwinde besser nutzen und damit einen besseren Gleitwinkel erreichen können, der sie weiter als normal schweben lässt. Der aktuelle Wetterbericht bestärkte dann im gemeinsamen Vorhaben, das da lautete: im Verbandsflug den höchsten Berg des Thüringer Waldes (Inselberg) und den Flugplatz Weiden in der Oberpfalz zu umrunden und die Rückkehr nach Altfeld zu schaffen.

Zunächst lief das Unternehmen „Zwischen Himmel und Erde sind wir gemeinsam stark“ nicht ganz nach Wunsch. Der Grund: Starker Nordostwind machte das Fortkommen in Richtung Thüringen anfangs schwerer als gedacht. Aber: Thermische Aufwinde mit Steigwerten bis fünf Sekundenmetern bliesen den Piloten so kräftig unter die Flächen, dass respektable Höhengewinne erzielt werden konnten. Langsam ging es dann an Hammelburg vorbei, die Wasserkuppe, der Segelflieger-Berg der Deutschen, blieb links liegen, der Thüringer Wald kam in der glasklaren Luft bald in weiter Ferne in Sicht. Die gefürchtete Leewirkung des Thüringer Waldes bereitete weniger Schwierigkeiten als erwartet.

Das Tiefdruckgebiet im Nordosten Europas verlangte den Piloten aufgrund der etwas schwächeren Thermik für den Weiterflug über den Gipfeln des Thüringer Waldes viel Können am Steuerknüppel ab. Im Raum Suhl und später auch über der Region Kronach sorgten wieder Steigwerte nach Maß, die später noch durch eine ordentliche Rückenwind-Komponente ergänzt wurden, für einen problemlosen Rückflug in das zweihundert Kilometer entfernte Altfeld. Der Fahrtmesser zeigte dank dieser Entwicklung Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern über Grund an.

Das Streckenwetter verhieß schließlich so gute Bedingungen, dass eine Dreier-Mannschaft weiter bis Heidelberg schweben wollte. Der Plan musste schließlich, weil das Wetter abbaute, über dem Neckar für eine sichere Rückkehr nach Altfeld aufgegeben werden.

Während die vier Piloten in Richtung Thüringen unterwegs waren, konnten auch „zu Hause“ herrliche Thermikflüge absolviert werden. Fluglehrer Horst Ostrowski „spulte“ mit seinem Schüler Nicolas Hecker stattliche 14o Kilometer ab; Jürgen Väth legte, allein unterwegs, im Cockpit die gleiche Strecke zurück.

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Frei wie ein Vogel

Bericht von Günter Reinwarth 30.10.2014 in der Main-Post

 

Frei wie ein Vogel

Noch nie soviele Flugschüler bei den Altfelder Segelfliegern wie heute.

  • Mainpost 2014
    Fotos (2): Günter Reinwarth

    Es geht himmelwärts: Blick aus einem Segelflugzeug des Altfelder Flugsportclubs während des Schlepps.

 

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    Die Altfelder Flugschüler und ihre beiden Fluglehrer: fotografiert an der zweisitzigen Schulmaschine vom Typ ASK 21. Von links: Jürgen Denk, Vorsitzender und Fluglehrer des FSC Altfeld (mit Fallschirm), Iuliia Portnova, Nicolas Hecker, Lorenz Reichert, Robert Geyer, Jürgen Väth, Fluglehrer Horst Ostrowski. George Mariniuc (mit Töchterchen Maya); im Cockpit sitzend Katharina Marinuic und Iurii Goncharuk.

Das hat es beim Flugsportclub Altfeld noch nie gegeben. Acht Personen, sechs Männer und zwei Frauen (als fliegende Amazonen), haben derzeit ein gemeinsames Ziel: den Pilotenschein für Segelflugzeuge zu erwerben. Der neue Mann im Cockpit des 1972 gegründeten Vereins, Jürgen Denk, Vorsitzender und Inhaber der Fluglehrer-Lizenz, hat seine helle Freude an dieser Entwicklung. Vier der designierten Luftkutscher dürfen sich sogar schon alleine an den Steuerknüppel setzen.

George Mariniuc ist einer der neuen „Alleinflieger“, die sich in der dritten Dimension längst pudelwohl fühlen. Der 30-jährige Arzt, der als Chirurg am Krankenhaus in Marktheidenfeld arbeitet, hat sich nach einem Schnupperflug entschieden, es den „modernen Erben Lilienthals“ gleichzutun. Er kommt richtig ins Schwärmen, wenn man ihn fragt, warum er sich für das luftige Hobby entschieden hat. Er spricht von einem „tollen Erlebnis da oben“ und nimmt sogar das Wort Spaßfaktor in den Mund. Sein erster Probestart mit Fluglehrer Jürgen Denk ging ihm so unter die Haut, dass er gleich einen zweiten Flug absolvieren musste.

Seine Frau Katharina (24), die aus Trennfeld stammt und in der Klinik ihres Mannes als Krankenschwester tätig ist, wurde offensichtlich vom Fliegerbazillus ihres Gatten infiziert. Als frischgebackene Flugschülerin spricht sie sogar von einem „Glücksgefühl“, das sie überkommt, wenn sie mit dem Fluglehrer lautlos über den Vorspessart schweben darf. Ob der Tatsache, dass George mit seinem Freund, dem 33-jährigen Anästhesiearzt Iurii Goncharuk und dessen Frau Iuliia Portnova, eine 30-jährige Assistenzärztin, könnte man sogar von den „Flying Doctors“ sprechen.

Iurii, der mittlerweile 55 Starts in seinem Flugbuch stehen hat und schon mehr als zehnmal allein am Steuerknüppel saß, war von den beiden Fluglehrern Jürgen Denk und Horst Ostrowski gründlich geprüft worden, bevor er sich an die Nabelschnur des Schleppflugzeugs hängen durfte. Die beiden Ehepaare sind vor allem von dem familiären Klima in Altfeld und von dem kinderfreundlichen Umfeld rundum begeistert.

Ende September hat Altfelds derzeit jüngster Flugeleve, Nicolas Hecker aus Bischbrunn, den Steuerknüppel in die Hand genommen. Der 15-jährige Gymnasiast ist mit viel Eifer bei der Schulung, möglicherweise will er sich später einmal beruflich in Richtung Fliegerei orientieren. Er sehe „die Welt da oben“ mit anderen Augen („schöne Aussichten“), schwärmt der Schüler nach seinen ersten Starts.

In Bischbrunn ist auch der 53-jährige Jürgen Väth zu Hause, der beruflich als Kundenberater für Kommunalbäder tätig ist und privat sogar eine Sternwarte betreibt – ein Hobby, das ihn – wie als Flugschüler – ebenfalls weit in die Ferne blicken lässt.

„Ich bin von Jürgen Denk mit offenen Armen aufgenommen worden“, spricht er das kameradschaftliche Klima des Altfelder Fliegervölkchens an. Er hat seinen ersten Alleinflug längst hinter sich und fühlt sich nun „frei wie ein Vogel“, wenn er alleine zwischen Himmel und Erde motorlos schweben darf. Den Flugplatz kennt er schon von Kindesbeinen an, als er seinen Vater zur Familie der „Luftkutscher“ begleiten durfte.

Gerade mal 16 Jahre jung sind die beiden Erlenbacher Gymnasiasten Lorenz Reichert und Robert Geyer, die ihre ersten Solostarts länger hinter sich haben und sich derzeit als „Fortgeschrittene“ auf die schriftliche Prüfung als künftige Segelflieger vorbereiten. Während der Wintermonate, so plant es Jürgen Denk, soll in Altfeld erstmals ein Theorieunterricht stattfinden.

 

Bericht von Günter Reinwarth 30.10.2014 in der Main-Post

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