Hoch über den Wolken

Günter Reinwarth
31. August 2020
10:31 Uhr

Lassen sich gemeinsam zum Segelflieger ausbilden: Heiko und Timo Niederhoff aus Schollbrunn auf dem Flugplatz in Altfeld. Foto: Günter Reinwarth

“Wenn der Vater mit dem Sohne …” lautet der Titel eines Films, der in den fünfziger Jahren mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle und 2003 erneut mit Erol Sander  auf die Leinwand kam und in der Wachau gedreht wurde. Die beiden Streifen könnte man auch für eine Produktion verwenden, deren Drehort sich am Rande des Naturparks Spessart auf einem idyllischen Flugplatzgelände im Marktheidenfelder Stadtteil Altfeld befindet.

Hier gehen der 14-jährige Realschüler Timo Niederhoff und sein Vater Heiko (45) einem gemeinsamen Steckenpferd im Cockpit eines Segelflugzeugs nach. Das Vater-Sohn-Duo aus Schollbrunn absolviert zusammen eine Piloten-Ausbildung – ein Novum am fränkischen Flieger-Himmel.

Niederhoff Junior und Niederhoff Senior konnten kürzlich ihrem Familien-Album noch ein Ereignis hinzu fügen, das es in der 48-jährigen Geschichte des Flugsportclubs Altfeld so noch nicht gegeben hat: Sie schafften am gleichen Tag den Alleinflug in einem Segelflieger, was ein Höhepunkt in einer Piloten-Ausbildung ist. Fluglehrer Horst Ostrowski, der zusammen mit seinen Kollegen Jürgen Denk und Nils Eilbacher die beiden Flugschüler unter seinen Fittichen hat, befand das fliegerische Können seiner beiden Schützlinge als “reif genug”, dass er sie am gleichen Tag in den Altfelder Flieger-Himmel schickte und damit zusammen nach zwei weiteren Alleinflügen zur A-Prüfung während der Segelflug-Ausbildung verhalf.

Erster Kontakt mit der Fliegerei beim Ferienprogramm

Wie kam es dazu, dass Vater und Sohn sich entschlossen, gemeinsam dem “himmlischen Hobby” zu frönen? Timos Interesse wurde im vergangen Jahr erstmals während eines Ferienprogramms der Stadt Marktheidenfeld auf dem Flugplatz Altfeld geweckt, anschließend schnupperte er während eines Fluglagers so viel Piloten-Luft, dass er sich zu einer Ausbildung entschloss. Endgültig klick machte es bei ihm, als er mit Clubmitglied Udo Roth einen Kunstflug absolvieren durfte und nach der Landung von einer “verkehrten Welt” sprach.

Es dauerte nicht allzu lange, bis sich Vater Heiko, der als Technical maintenance Manager bei der Firma PINK Thermosysteme in Wertheim tätig ist, vom Sohnemann infizieren ließ. Zu seinem Einstieg ins Cockpit entschloss er sich, als er mit seinem späteren Fluglehrer Horst Ostrowski bei herrlichem Fliegerwetter einen motorlosen Luftsprung absolvieren durfte, der von Altfeld bis in den Schwarzwald und zurück führte.

Als Vater und Sohn ihren ersten Alleinflug hinter sich hatten, mussten sie gezwungener Maßen nach ihrem Sprung aus dem Nest noch einen alten Fliegerbrauch über sich ergehen lassen. Rund ein Dutzend  Vereinskameraden beglückwünschten die beiden Solo-Flieger mit ein paar Klopsen auf den Allerwertesten. Ein Dornenstrauß komplettierte die kleine Gratulationstour – ein Brauch, der einen sensiblen Umgang mit dem Steuerknüppel symbolisieren sollte.

Theoretischer Unterricht im Winterhalbjahr

Der weitere Ausbildungsabschnitt auf dem Weg zu den modernen Erben Lilienthals beinhaltet jetzt nicht nur mehr fliegerische Sicherheit im Cockpit, sondern auch die Vorbereitung auf die theoretische Prüfung. Dabei geht es unter anderem um Themen wie Wetterkunde, Technik, Luftrecht und Navigation. Der theoretische Unterricht erfolgt während des Winterhalbjahres durch die drei Fluglehrer im Altfelder Fliegerstübchen. Zudem steht noch der Erwerb der Sprechfunkzeugnisse in deutscher Sprache auf dem Programm.

Timo, der in Wertheim die Comenius-Realschule besucht und Mitglied in der dortigen DLRG-Ortsgruppe ist, fühlt sich zusammen mit seinem Vater im Flugsportclub Altfeld “sauwohl”. Die beiden schätzen die Fliegerkameradschaft und packen mit an, wenn es auf dem weitläufigen Flugplatzareal etwas zu tun gibt.

Übrigens: Wenn sich die beiden Niederhoffs während der Ausbildung im Cockpit eines Segelfliegers befinden, können sie immer wieder mal aus der Vogelperspektive einen kurzen Blick auf ihren Wohnort Schollbrunn werfen, dem Fensterplatz am Himmel sei Dank. Das Flugticket dazu haben sie ja immer in der Tasche.

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