Altbürgermeister Georg Fertig mit 96 Jahren gestorben

Nachruf: Er gestaltete den Aufschwung Altfelds mit – Mit Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet

Georg Fertig ist tot. Der Altbürgermeister starb in der Nacht zum Samstag neun Tage nach seinem 96. Geburtstag zu Hause in seinem Altfelder Wohnhaus.

Seit seiner ersten Wahl zum Bürgermeister 1964 bis zur Eingemeindung nach Marktheidenfeld 1991 gestaltete der gelernte Landwirt mit dem Gemeinderat den Aufschwung Altfelds vom Bauerndorf zum modernen Industriestandort wesentlich mit. Der Bau der Autobahn, die Ausweisung des Gewerbegebiets Jöspershäcklein und zwei Flurbereinigungen lockerten zusammen mit dem Bau von 30 Wohnhäusern in den ersten Nachkriegsjahrzehnten die Siedlungsstruktur des eineinhalb Kilometer langen Straßendorfes auf.

Der Schulze Schorsch, so sein Rufname in Altfeld, besuchte die Volksschule seines Heimatdorfes und die Landwirtschaftsschule Würzburg. 1951 übernahm er den elterlichen 15-Hektar-Hof, der heute von seinem Sohn Bernd im Nebenerwerb betrieben wird.

Schicksalsschläge zu verkraften
1954 gründete Fertig eine Familie, als er die Michelriether Gastwirtstochter Elisabeth Mohr ehelichte. Den Fertigs wurden zwei Söhne und eine Tochter geschenkt. Zwei Schicksalsschläge musste Georg Fertig ertragen: 1978 starb im Alter von 49 Jahren seine Ehefrau, 2019 sein Sohn Helmut, der im Alter von 62 Jahren einem Herzleiden erlegen war. Neben seinen Aktivitäten in fast allen Ortsvereineninteressierte sich Fertig jahrzehntelang für das Wettergeschehen des Vorspessart-Dorfes. Seine wertvollen Aufzeichnungen stellte er Jahr für Jahr dem amtlichen Wetterdienst zur Verfügung. Bundespräsident Joachim Gauck verlieh Georg Fertig für sein Engagement in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens 2016 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.


Dass Altfeld heute der einzige Standort im Altkreis Marktheidenfeld mit einem Flugplatz und einer asphaltierten Landebahn ist, geht auf das Engagement Fertigs und des Ratsgremiums sowie auf das Plazet des Luftamts Nordbayern zurück.
Immer wieder war Fertig zu Besuch bei seinen Segelfliegern. Von vielen Rundflügen brachte er eine Menge schöner Luftaufnahmen mit nach Hause. Urlaubsreisen unternahm Fertig, der noch bis ins hohe Alter trotz schwerer Kriegsverletzung in der Altfelder Flur mit dem Fahrrad unterwegs war, um die halbe Welt – zum Beispiel nach Kanada, Südafrika, China, Nepal und in die Vereinigen Staaten.

Abschied von Altfelds Altbürgermeister Georg Fertig

Etwa 400 Trauergäste nehmen Anteil

Schätzungsweise 400 Trauergäste aus der Region nahmen am Freitagnachmittag auf dem Altfelder Friedhof Abschied von dem im Alter von 96 Jahren gestorbenen Altbürgermeister Georg Fertig. Die Beisetzung nahm Pfarrer Reinhold Völler aus Michelrieth vor. Peter Freudenberger (Klavier) und Klara Fertig (Gesang) umrahmten die stilvolle Trauerfeier, bei der Aktive der Altfelder Wehr den Sarg mit den sterblichen Überresten des in weiten Bevölkerungskreisen beliebten Mitbürgers zum offenen Grab geleiteten.

Pfarrer Völler fand Worte des Trostes und Mitgefühls für die Angehörigen des Gestorbenen, der zeitlebens als Gemeinderat, Bürgermeister und als Inhaber verschiedener Ehrenämter die Geschicke seines Heimatdorfes mitbestimmte. Der Geistliche erinnerte an Fertigs Verbundenheit zur protestantischen Kirchengemeinde und an dessen »unverzichtbaren Platz« im Leben des Spessartdorfes.

Marktheidenfelds Bürgermeister Thomas Stamm würdigte das Engagement des Gestorbenen und dessen Einsatz für das Gemeinwohl und viele Bereiche des öffentlichen Lebens, in dem Fertig im Altfelder Gemeinderat und später als Bürgermeister der Grafschaftsgemeinde bis zur Eingemeindung in die Stadt Marktheidenfeld deutliche Spuren hinterlassen hatte. 2016 war Fertigs vielseitiges Engagement mit der Verleihung der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland von Bundespräsident Joachim Gauck gewürdigt worden.

Helmut Freudenberger, ein Freund der Familie des Gestorbenen, ging als Sprecher der Altfelder Ortsvereine (Feuerwehr, Flugsportclub, Schützenverein, Sportverein, Gartenbauverein) auf die Verdienste Georg Fertigs im kulturellen Leben seines Heimatdorfes ein. Zufriedenheit, Lebensfreude und ein nimmermüder Optimismus hätten das Wirken Fertigs in der Dorfgemeinschaft bestimmt.

Für viele Menschen sei der »Schulze Schorsch«, so sein Rufname im Volksmund, ein geschätzter Sympathie-Träger und das »Gesicht Altfelds« gewesen, sagte Freudenberger in seiner Trauerrede.

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