Fliegende Amazonen beim Flugsportclub Altfeld

Vor dem Einstieg ins Cockpit eines doppelsitzigen Schulflugzeuges mit Anja Fellinghauer und Maria Aulbach (este und zweite von rechts). Zu ihren Fluglehrern gehören Jürgen Denk (mit Sonnenbrille) und sein Kollege Horst Ostrowski

Foto: Günter Reinwarth | Vor dem Einstieg ins Cockpit eines doppelsitzigen Schulflugzeuges mit Anja Fellinghauer und Maria Aulbach (este und zweite von rechts).

Günter Reinwarth 07.10.2021  |  aktualisiert: 11.10.2021 02:30 Uhr

Fliegen ist längst keine Männersache mehr. In der Luftfahrt-Historie hat das weibliche Geschlecht schon vor Jahrzehnten einen festen Platz belegt. Komplette Frauen-Besatzungen findet man sowohl im Cockpit des „Airbus-Riesen“ A 380  als auch manchen Luftwaffen-Jets. Selbst im Weltraum gehört das weibliche Geschlecht zu den ISS-Besatzungen.

Bereits in den achtziger Jahren hatte sich mit Claudia Russ aus Himmelstadt im Landkreis Main-Spessart eine junge Frau einen Platz im Cockpit eines Canadair-Düsenjets erobert und zusammen mit ihrer Kollegin Barbara Moerl-Weidig die Uniform eines Flugkapitäns mit vier Goldenen Ärmelstreifen getragen. Die Tochter des früheren Himmelstadter Bürgermeisters Waldemar Russ schaffte sogar den Sprung in das Management der Lufthansa-Cityline.

„Fliegende Amazonen“ sind mittlerweile auch beim Flugsportclub Altfeld zwischen Himmel und Erde unterwegs – und zwar in den Cockpits von Segelflugzeugen. Neben den aktiven Pilotinnen Katja Hofmann-Ostrowski und Tochter Marie erlernen derzeit mit Maria Aulbach (21) aus Heimbuchental und Anja Fellinghauer (49) aus Röttbach zwei Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts das ABC des Segelflugs. Richtige Höhenflüge haben die beiden Damen allerdings noch nicht hinter sich, weil sie mit einem der Fluglehrer Jürgen Denk, Horst Ostrowski und Nils Eilbacher erst das Starten und Landen im Cockpit des Doppelsitzers ASK 21 erlernen. Aulbachs erster Alleinflug dürfe nach fast zwei Dutzend „Take-Offs“ nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Auch Anja Fellinghauer hat ihre ersten „Luftsprünge“ bereits hinter sich, allerdings muss sie aus gesundheitlichen Gründen derzeit ihre praktische Ausbildung unterbrechen.

Was hat die beiden Damen motiviert, dem Motto des Deutschen Aero-Clubs zu folgen, der in einem Werbespot behauptet, dass kein Sport die Menschen „so weit nach oben bringt“ wie der Segelflug? Die Röttbacherin Fellinghauer erinnert sich sowohl an Urlaubsflüge mit einem „Fensterplatz am Himmel“ als auch an einen Besuch des Rhein-Main-Flughafens. Ziel eines sonntäglichen Wanderausflugs war auch der Flugplatz Atlfeld, wo man sich am Flugbetrieb bei einem von den Eltern spendierten „Limonädle“ auf der Terrasse des Fliegerstübchens an den Starts und Landungen mit den „weißen Kranichen“ nicht satt sehen konnte.

Bei Maria Aulbach, die in Bamberg Geografie auf Lehramt studiert und  sich der Musik (Geige und Klavier) verschrieben hat, waren es familiäre Beziehungen, die ihr Interesse am lautlosen Schweben in der Dritten Dimension wach werden ließen. Vater Mathias frönte einst im hessischen Babenhausen dem Segelflug, zwei Onkel fühlten sich ebenfalls als „moderne Erben Lilienthals“  dem Flug ohne Motor verbunden. Und als Maria im Keller in einer Schachtel Fotos mit familiären Flug-Motiven fand, kam sie ihrem Wunsch, ebenfalls Segelfliegerin zu werden, noch ein ganzes Stück näher.

Wenn während der Wintermonate die praktische Ausbildung mangels thermischer Aufwinde unterbrochen werden muss, dann drücken die beiden Damen im Altfelder Fliegerstübchen zusammen mit Kollegen aus befreundeten Nachbarvereinen beim theoretischen Unterricht die Schulbank, um das theoretische ABC des Segelflugs zu erlernen. Dann geht es unter anderem um Themen wie Technik, Aerodynamik, Luftrecht sowie um das Erlernen des Flugfunks in deutscher Sprache.

Von: Günter Reinwarth, für den Flugsportclub Altfeld

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